Südkurier 11.08.

Wenn der Diener seinen Herren Streiche spielt

Südkurier 11.08.2012

Octave (Simon Engeli, rechts) ist verzweifelt und sucht Hilfe bei Sylvestra (Sara Hermann, links) und Scapin (Andrea Noce Noseda, im Hintergrund)  Bild: fröse

Kulturtage Laufenburg: Besucher erleben einen vergnüglichen Theaterabend unter freiem Himmel in der Codmananlage. Begleitung durch Live-Musik aus Konstanz

Die Kulturtage Laufenburg zeichnen sich Jahr für Jahr immer wieder durch ein vielfältiges Programm aus. Am Donnerstagabend stand für das begeisterte Publikum in der einmaligen Naturkulisse der Laufenburger Codmananlage ein Freiluftspiel auf dem Programm. Das Tournée-Theater der Compagnie Engel & Dorn gastierte mit einer Vorpremiere zu der temporeichen Komödie „Scapins Streiche“ aus der ursprünglichen Feder von Jean-Baptiste Molière (1622 bis 1673). Mit von der Partie waren zudem Musiker der Konstanzer Gruppe Il Cigno (Der Schwan), welche die Aufführung, teils in ungewöhnlicher Kostümierung wie etwa als sommerlich gekleidete Touristen oder in Mafioso-Aufmachung, mit brillant dargebrachter Musik des 17. Jahrhunderts umrahmten. Was schon die Zuschauer am Hofe Ludwig XIV. verzückte, verfehlte seine Wirkung auch nicht bei den Zuschauern in der Codmananlage. Die Streiche und Intrigen des Dieners Scapin stehen im Mittelpunkt des Stücks. „Ich tu was ich kann, was ich nicht kann, überlasse ich dem Schicksal“, interpretiert dieser sein Tun. Darsteller des Scapin war Andrea Noce Noseda, der mit Simon Engeli, er spielte den jungen Octave, für Idee und Regie verantwortlich zeichnete. Mit viel List und einer tüchtigen Portion Verschlagenheit führt Scapin die Herrschaften Argante (Claudia Klopfstein) und Geronte (Joe Sebastian Fenner) hinters Licht. Er erleichtert sie obendrein um einen ansehnlichen Batzen Bargeld.

Die Alten planen die Heirat ihrer beiden Kinder Octave und Leandra (Cloé Coendoz). Die Kinder haben allerdings ganz andere Pläne. Sie haben sich bereits heimlich, entgegen aller gesellschaftlichen Konventionen, mit Hyacinte (Monika Kocher) und Zerbino (Beni Hirsch), zwei fahrenden Schauspielern, verheiratet. Sylvestra (Sara Hermann) geht Scapin bei dessen listigen Aktionen zur Hand. Diese bringen ihn allerdings beinahe um Kopf und Kragen.

Die herzerfrischende Komödie, die mit einigen modernen Elementen angereichert ist, folgt größtenteils der Fassung von Molière. Die Moderne, verkörpert durch den Ort des Geschehens, eine Eisdiele, Espressomaschine und Vespa, trifft auf das Altertum, das sich in der antiken Kostümierung von Argante und Geronte widerspiegelt. Das Stück stellt die althergebrachten Vorstellungen der reichen Alten bloß. Schlussendlich führt die, jedenfalls für damalige Zeiten, moderne Form der selbstbestimmten Partnerwahl zu einem letztendlich glücklichen Ende für alle.