Badische Zeitung 18.7.


Ein Hauch von Bella Italia

Badische Zeitung 18.7.2012

Pfiffig und frech: Die Theatergruppe Engel & Dorn brachte Molières "Scapin" in die Codmananlage.

Ein köstlicher Theaterspaß war die Molière-Komödie von „Scapin“ in der Codmananlage. Foto: Roswitha Frey


LAUFENBURG. Ein Geizhals, eine Schreckschraube im Reifrock, zwei Liebespaare und ein listiger Schelm, der alle an der Nase herumführt: Das waren die Hauptfiguren eines köstlichen Theaterspaßes unter freiem Himmel in der Codmananlage. Die Theatergruppe Engel & Dorn amüsierte bei den Laufenburger Kulturtagen am Donnerstagabend gut 150 Zuschauer mit einer frechen, modernen und sehr witzigen Inszenierung der Molière-Komödie "Die Schelmenstreiche des Scapin". Und dieses Mal war den Veranstaltern sogar das Wetterglück hold.

Direkt am Rhein hat die muntere Schauspieltruppe eine Gelateria aufgebaut, eine italienische Eisdiele, die vom Wirt Scapin betrieben wird. Da verwandelte sich die Anlage in eine sommerlich belebte neapolitanische Piazza. Die Musiker des Ensembles Il Cigno kommen als Touristen in bunten T-Shirts und Ferienlaune auf die Bühne, packen in der Bar ihre historischen Instrumente aus und spielen mit tänzerischem Esprit auf Flöten, Cello, Viola da Gamba und Spinett französische Barockmusik von Lully und Rameau – passend zur Zeit des großen Molière.

Einfallsreich, mit turbulenter Situationskomik und sprühender Spiellaune peppen die jungen Schauspieler Molières gallige, gesellschaftskritische Komödie auf. Geschickt versetzt das Regie-Duo Simon Engeli und Andrea Noce Noseda die typischen Molière-Figuren ins heutige Italien, bringt Anspielungen auf die "neumodische" Zeit und originelle Zitate aus der Theaterwelt ein. Die jungen Darsteller spielen in Kleidung von heute, in Jeans und kurzen Röcken, manchmal kommt auch ein Hauch von Bella Italia der Fünfzigerjahre auf, wenn Leandra mit ihrem Lover auf der Vespa dahergeknattert kommt. Originell ist die Idee, die Musiker mal als Urlauber, mal im Mafioso-Look mit dunklen Anzügen und Sonnenbrillen ins Spielgeschehen einzubinden.

Dreh- und Angelpunkt der verzwickten Geschichte ist der listenreiche Scapin, der zwei jungen Verliebten aus der Patsche helfen muss. Denn sie haben sich in Schauspieler einer fahrenden Truppe verguckt. Das bringt Vater Geronte und Mutter Argante in Rage, die ganz andere Heiratspläne für ihre Sprösslinge haben. Sympathisch verschmitzt spielt Andrea Noce Noseda das Schlitzohr Scapin, der die zwei stinkreichen Geizhälse überlistet und ihnen das Geld aus der Tasche zieht. "Wir drehen das Ding", sagt er über seine Schwindeleien. Wie er das macht, stellt der Titelheld mit umwerfender komödiantischer Verve, temporeich und mit augenzwinkerndem Charme dar. Ordentlich Paroli gibt ihm Sara Hermann als patente Kellnerin Sylvestra mit sehr losem Mundwerk.

Als lautstark zeternde Zicke im ausladenden roten Reifrock mit weißer Perücke stöckelt Claudia Kopfstein als bösartige Madame Argante daher. Eine ebenso karikaturhaft zugespitzte Molière-Figur voller lächerlicher Eitelkeit und Knauserigkeit gibt Joe Fenner in historischem Kostüm als knickeriger Geldsack Geronte, der viel Prügel einstecken muss.

Mit erfrischendem Übermut agieren die beiden Liebespaare: Simon Engeli als Octave mimt slapstickreif den verklemmten Collegeboy mit Scheitel und Mutterkomplex, der schon mal mit Hechtsprung hinter die Kulissen in Deckung abtaucht; und Monika Kocher ist eine entzückende, kesse, schwärmerische Hyacinthe, die gern mal ins Shakespeare-Dramenfach abschweift. Cloé Coendoz als temperamentvoll-hitzköpfige Leandra und Benjamin Hirsch als ihr lässiger Hippie-Lover Zerbino sind ebenfalls sehenswert als flottes Paar in diesem spritzigen Lustspiel.

"Scapins Streiche" so pfiffig und frech, mit entlarvendem Humor aktualisiert und mit schwungvoller Musik aufgefrischt – das fand riesigen Beifall der bestens unterhaltenen Zuschauer.