Thurgauer Zeitung 8. Sept. 2010


In 80 Minuten um die Welt


Theatergruppe Engel und Dorn. (Bild: Bild: Markus Bösch)

Am Wochenende reisten Besucher auf der Schlosswiese mit der Theatergruppe Engel und Dorn «in 80 Stunden, vielmehr in 80 Minuten» um die Welt.

MARKUS BÖSCH

Die Geschichte der wahnwitzigen Wette des Engländers Phileas Fogg, die Erde in 80 Tagen zu umrunden, kennen viele. Und nach diesem Wochenende wohl noch einige mehr.

Hochstehend und frech

Unter der Regie von Andrea Noce Noseda brachten Simon Engeli (Phileas Fogg), Joe Fenner (Passepartout), Giuseppe Spina (Inspektor Fix) und Marcella Moret (Prinzessin Aouda) zusammen mit Benjamin Hirsch und Stefano Benini ein weiteres Stück klassischer Literatur auf die Bühne – und wie sie

dies taten: Mit dem zuweilen blitzschnellen Hineinschlüpfen in und dem Verkörpern der verschiedenen Rollen verzauberten sie das Publikum. Dank dem Einsatz der Livemusik und den einfachen wie eindrücklichen Requisiten fanden sich die Zuseher und -hörer bald im Zug, auf dem Dampfschiff, in Nordafrika, Indien oder Japan. Und erst Mimik und Wortwahl: Kaum an das eine ausdrucksvolle Gesicht gewöhnt, brauchte es unbedingte Aufmerksamkeit, wollte man den Wortwitz und die Gegenwartsbedeutung

dieser Geschichte mitbekommen: So kam das einheimische Lokalblatt zu Ehren, CDs mit Bankdaten ebenso und Popsongs der Beatles und von Elvis Presley.

Heiter und ernst

Mit der Inszenierung dieser berühmt gewordenen Reise gelang es dem wirbelnden Ensemble einmal mehr, ernsthafte Geschichte und vergangene, gesellschaftliche Realität in die Gegenwart zu ziehen – in eine kleiner gewordene Welt, die immer mehr in globalen Massstäben denkt. Die Besucher dankten es mit Applaus.