St. Galler Tagblatt 3. Sept. 2010

Datumsgrenze rettete die Wette

Die Darsteller begeisterten immer wieder durch musikalische Einlagen. (Bild: Bild: Maya Seiler)

BERNECK. Ausgezeichnete Truppe, witzige Figuren, unterhaltsame Handlung: Die gut 130 Zuschauer, darunter drei OMR-Klassen, kamen bei der Aufführung von Jules Vernes phantastischem Abenteuer «In 80 Tagen um die Welt» voll auf ihre Rechnung.

MAYA SEILER

Mit häufigem Szenenapplaus und einer Standing Ovation zum Schluss zeigten die Besucher ihre Begeisterung über die gelungene Inszenierung. Die sechs Schauspielenden unter der Regie von Noce Noseda brachten professionelles Theater auf die Bühne. Sie schlüpften in so viele Rollen und Verkleidungen, dass man kaum nachkam. Simon Engeli als Phileas Fogg spielte plötzlich Schlagzeug oder Geige; Giuseppe Spina verkörperte meist den Detektiv Fix; war aber auch Direktor eines japanischen Zirkus oder Bandleader in San Francisco.

Joe Fenner als Schlitzohr Passepartout zeigte sich virtuos auf Klarinette oder Saxophon. Benjamin Hirsch, Kapitän auf den verschiedenen Schiffen, die die Weltreisenden benutzten, überzeugte in der Rollen eines Elefantentreibers oder einer japanischen Geisha. Stefano Benini war eben erst indischer Fanatiker, dann Matrose, zuletzt ein Mitglied der Beatles.

Die bildhübsche Marcella Moret bezauberte nicht nur Phileas Fogg als indische Witwe Aouda, sie brillierte auch als Whistspieler, Lastenträger oder englischer Konsul.

Fast ein Musical

Die Geschichte der hirnrissigen Wette wurde nicht nur mit Worten, sondern auch mit viel Musik und akrobatischen Einlagen erzählt.

Grossen Lacherfolg hatte die Szene im japanischen Zirkus – ein umwerfender Giuseppe Spina auf Italienisch mit japanischem Akzent – oder der Taifun auf der Überfahrt nach Yokohama.

Auch musikalisch wurde dem Publikum einiges geboten. Die Eisenbahngeräusche, der Elefant, die Dschungeltrommeln, der Taifun waren alle live gespielt.

Die Umsetzung der vorletzten Szene mit lauter Beatles-Songs – Help, I want to hold your hand, war in besonders gelungener Einfall. Alle sechs Artisten und Musiker haben das Schauspiel-Handwerk an der Scuola Teatro Dimitri in Verscio erlernt. Seit Anfang August ist die Compagnie Engel & Dorn mit ihrem neusten Stück auf Tournée. Ihre Adaption von Jules Vernes bekanntem Roman eignet sich bestens als Sommertheater.

Unterhaltend und tiefgründig

Obwohl der Stoff leicht daherkommt und mit den Klischees der damaligen Zeit spielt, fehlt es keineswegs an Tiefgang und verschiedenen Anspielungen auf die Gegenwart. Am Mittwochabend machten sie Halt in Berneck. Aufgrund der kühlen Abendtemperaturen musste die eigentlich als Open Air geplante Aufführung in die Mehrzweckhalle verlegt werden.

Aber auch drinnen kam die wie improvisiert wirkende Bühne mit den einfachen Kulissen und witzigen Versatzstücken bestens zur Geltung.